Das Handy als Kreditkarte

Near Field Communication erleichtert das Bezahlen

Das Handy ist auch ein Portemonnaie: In einigen Grossstädten lässt sich schon jetzt mit dem Mobiltelefon bezahlen. Anstatt die Kreditkarte durch ein Terminal zu ziehen, schwenkt man einfach das Gerät über einem Chipleser. Seit Dienstag können in den USA Kunden von Sprint ihr Nexus-Smartphone auch als «Google Wallet» benutzen und an den Terminals des von Mastercard entwickelten PayPass-Systems Geldbeträge überweisen. Ebenso führt das Kreditkartenunternehmen Visa entsprechende Pilotversuche durch und möchte noch diesen Herbst der Öffentlichkeit eine Applikation für das Bezahlen mit dem Handy vorstellen.

Hohe Sicherheit

Zur Übertragung der Bankdaten kommt die sogenannte Near Field Communication (NFC) zur Anwendung. Es wird dabei eine auf wenige Zentimeter beschränkte Funkverbindung zwischen dem Lesegerät und dem Handy aufgebaut. Anders als bei WiFi oder Bluetooth ist keine vorherige Anmeldung nötig, um die Geräte zu verbinden. Obwohl es wegen der geringen Distanz der Funkverbindung unwahrscheinlich ist, dass die Daten von einem Hacker aufgeschnappt werden, sorgt ein Verschlüsselungssystem für die nötige Sicherheit beim Übermitteln der Bankdaten. Zudem kann die Applikation mit einem Pin-Code gesichert werden.

Experten halten Mobile Payment für ebenso sicher wie traditionelle Kreditkarten. Die Übertragung von Bankdaten ist jedoch nicht das einzige Anwendungsfeld von NFC. Der niederländische Chiphersteller NXP und der deutsche Automobilzulieferer Continental haben die Technologie an einem Konzeptfahrzeug demonstriert, das sich mit dem Handy aufschliessen lässt. Denkbar wäre auch, dass über NFC mit dem Mobiltelefon am Arbeitsort bei Ankunft und Weggang gestempelt werden kann. Und für die Marketingabteilung tut sich ein weites Feld auf: Es liessen sich etwa auf Kinoplakaten Chips anbringen, die entsprechende Filmtrailers auf ein Handy übermitteln.

Voraussetzung für all diese Anwendungen ist ein Handy mit einem NFC-Chip. Das Nexus S von Google und einige Nokia-Geräte verfügen jetzt schon über solche Chips. Fast alle Hersteller haben angekündigt, ihre Smartphones bald mit NFC-Chips auszustatten. Branchenkenner erwarten, dass bereits nächstes Jahr in jedem fünften Handy ein NFC-Chip integriert sein wird. Bis 2014 sollen gemäss einer Studie von IMS Research Einkäufe von 50 Milliarden Dollar über mobile Bezahlsysteme abgewickelt werden.

Das Bezahlen mit dem Handy eröffnet auch neue Möglichkeiten für Werbeeinnahmen, da mobile Bezahldienste den Anbietern wertvolle Daten zum Konsumverhalten ihrer Kunden liefern. Transaktionen lassen sich in Echtzeit und ortsbasiert erfassen. Aufgrund dieser Informationen können den Kunden Werbebotschaften und Rabattcoupons für Angebote in ihrer Nähe ohne grosse Streuverluste auf das Handy gespielt werden. Bei Google Wallet sollen die so erzielten Werbeeinnahmen die Kreditkartengebühren obsolet machen.

Was plant Apple?

Im Bereich des Mobile Payment arbeitet Google mit Mastercard zusammen und setzt auf dessen Bezahlsystem PayPass, das schon jetzt das kontaktlose Bezahlen mit Debit- und Kreditkarten ermöglicht. Google möchte aber auch mit Visa kooperieren, und das Bezahlsystem PayWave ebenfalls in «Google Wallet» integrieren.

Ausserdem ist Visa zusammen mit Mastercard, American Express und Discover auch Teil des Joint Venture Isis, das in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern AT&T, Verizon und T-Mobile Anfang 2012 einen weiteren mobilen Bezahldienst lancieren will. Zur Strategie von Visa gehört es offenbar, möglichst breit aufgestellt zu sein, um den Markteinstieg keinesfalls zu verpassen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass sich über längere Zeit alle Dienste durchsetzen können.

Ein weiterer potenzieller Mitbewerber ist Apple. Schon länger wird spekuliert, dass der Konzern das diesen Herbst zu erwartende iPhone 5 mit einem NFC-Chip ausstatten wird und einen eigenen mobilen Bezahlservice lancieren könnte. Dabei würde Apple von den Kundendaten seines digitalen Vertriebskanals iTunes profitieren.

 

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